Schaubühne am Lehniner Platz

Ort:
Charlottenburg

Ausgangspunkt

Seit vielen Jahren nutzt die Schaubühne ihre Räumlichkeiten in Reinickendorf rund um die Auguste-Viktoria-Allee überwiegend als Proberäume. Trotz dieser langfristigen räumlichen Präsenz gab es bislang kaum Berührungspunkte oder Vernetzungsaktivitäten mit dem umliegenden Sozialraum. Lokale Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, zivilgesellschaftliche Initiativen und Nachbarschaftsakteur*innen waren bislang nicht in die Nutzung der Infrastruktur eingebunden. Die vorhandenen Potenziale des Standorts für kulturelle Bildung und sozialräumliche Kooperation blieben daher weitgehend ungenutzt.

Ansatz

Mit dem Vorhaben „Berlin Ost/West“ sollte sich diese Situation grundlegend verändern. Ziel war es, die bestehende räumliche Infrastruktur über die reine Probetätigkeit hinaus zu öffnen und gemeinsam mit Dramaturgie und Theaterpädagogik eine aktive Rolle im Reinickendorfer Sozialraum einzunehmen.

Im Zentrum stand eine partizipative Theaterproduktion mit Jugendlichen aus dem Kiez. Dafür wurde der Proberaum als wohnortnaher kultureller Treffpunkt etabliert. Die Theaterpädagogik entwickelte gemeinsam mit Jugendeinrichtungen erste Kennenlern-Workshops direkt vor Ort, während über Direktansprache an Schulen weitere Jugendliche für das Projekt gewonnen wurden.

Unter dem thematischen Schwerpunkt „35 Jahre Mauerfall“ erarbeiteten die Jugendlichen gemeinsam mit der Dramaturgie und Theaterpädagogik ein eigenes Theaterstück. Die Produktion wurde anschließend auf der Studiobühne am Lehniner Platz präsentiert. Damit entstand ein neues Format der Zusammenarbeit, das künstlerische Praxis, sozialräumliche Öffnung und pädagogische Prozessbegleitung miteinander verband.

Transformation

Durch das Vorhaben vertieften Dramaturgie und Theaterpädagogik ihre bereichsübergreifende Zusammenarbeit deutlich. Projekte der kulturellen Bildung wurden in der internen Proberaumplanung stärker priorisiert und erhielten professionelle Unterstützung durch die Produktionsleitung der Studiobühne.

Die regelmäßige Präsenz der Jugendlichen im Proberaum führte zudem zu einer neuen Qualität der Begegnung: Ensemblemitglieder und Mitarbeitende der Schaubühne kamen informell in Kontakt mit den jungen Teilnehmenden, was die institutionelle Öffnung spürbar erweiterte.

Auch hausintern wurde die Arbeit der Theaterpädagogik sichtbarer. Sie war in weiteren abteilungsübergreifenden Runden – etwa der Dramaturgie – stärker eingebunden. Insgesamt hat der Prozess angestoßen, dass kulturelle Bildung und sozialräumliche Zusammenarbeit festere Bestandteile der institutionellen Entwicklung der Schaubühne wurden.